Fortsetzung Tag03
Der Tag begann schon in der Nacht
Ich wurde wach und dachte der Ventilator wäre dabeiseine letzten Umdrehungen zu bestreiten, aber als ich die Ohropax heraus nahm, bemerkte ich, es ist nicht der Ventilator. Es regnet - und was für ein Regen! Wir sind zwar ziemlich gegen Ende der Regenzeit angereist, aber es kann doch immer mal zu heftigen tropenartigen Niederschlägen kommen. Und der erste Niederschlag war heute Nacht, gefolgt von einem Gewitter welches wirklich auch (fast) den letzten geweckt haben sollte – außer Alex, der schläft wenn er schläft. Ich bin extra aufgestanden und habe mir dieses Naturschauspiel angesehen - Wahnsinn! Man konnte nur wenige Meter sehen, solche Wassermassen wurden ausgeleert.
Der eigentliche Morgen startete um 06:00Uhr, eigene Koffer zur Sammelstelle, Hilfs- und Spendenkoffer in ein Zimmer im SMH, Frühstücken, Pässe kontrollieren und ab in Richtung "Grenze zu Benin".
„Wir haben eine Forelle überfahren“ - O-Ton Stefan Raetz

Dieser Insider kam vom Beifahrersitz (SR), als wir uns auf dem Weg nach Benin durch Unmengen von Wasser, fast schon kleinen Seen, kämpfen mussten. Die Nebenstraßen standen teilweise komplett unter Wasser und es ging nur im Schritttempo voran. Gäbe es Forellen, wir hätten einige erwischt, Petri heil!
Über die Luftfeuchtigkeit brauche ich wohl nichts zu erwähnen. Auf dem Weg standen hunderte von LKWs, alle auf dem Weg über die Grenze. Viele waren so Schrottreif, dass der deutsche TüV sie noch nicht einmal mit Google Earth hätte sehen wollen.
An der Togolesischen Grenze angekommen, mussten wir alle Aussteigen und die Papiere beim Zöllner einreichen. Die Grenze ist sehr einfach gehalten. Trotzdem wird sie respektiert! Alle Moto’s müssen aus Togo geschoben werden. Und der Grenzbalken ist eine Kordel, welche von einem Zöllner nach unten oder eben wieder nach oben gezogen wird. Sicherlich wird die Akzeptanz auch durch die vorhandenen AK47 unterstrichen, aber dies sei lediglich dahingestellt.

Bei der Ausreise erlebte ich meinen zweiten "Tropengruß", nicht ganz schon schlimm wie in der Nacht davor, aber immerhin. In Benin angekommen, das gleiche Spiel wieder. Papiere vorzeigen, Impfass, Formulare und warten… Der Grenzverkehr ist ein wahrer Genuss. Ich glaube ich könnte mich einen ganzen Tag hier aufhalten und mit Beobachten verbringen. WER, WAS, WOHIN bringt und WIE die Zöllner damit umgehen – herrlich…! Die Uhren wurden jetzt wieder ein Stunde vorgedreht.
Willkommen in Benin … …vielen Dank - anderes Land, auf den ersten Blick nein!
Bis auf die vielen Polizei und Militärkontrollen, die immer wieder und alle paar Kilometer auftauchen ist es fast wie in Togo. Also immer wieder anhalten, reden, diskutieren, weiterfahren. Ach ja, "geblitzt“ wurden wir auch. Es stand ein Polizist an der Straße, trällerte in seine Pfeife und winkte uns heraus. Wir wären zu schnell gewesen, habe er gesehen. Hier wird geschätzt, geraten und an der Nase die Ordnungswidrigkeit festgemacht. Egal, die Straffe waren 1000 CFA = 1,52 EUR. Punkte gab es keine!
„Tür zu, die Klimaanlage läuft“ – O-Ton Michael F. Firmenich
Zweiter Insider des Tages. Zur Erklärung: "Wir haben keine Klimaanlage!"
Es fiel auf, dass am Straßenrand viele Auto- und LKW-Fracks liegen, viele erzählten von schweren Unfällen. Ausgebrannt oder total demoliert. Viele auch bis aufs Letzte ausgeschlachtet. Von manchen LKWs steht nur noch die Karosserie. Kabine, Reifen, Türen alles wird wiederverwertet.
Da man in Afrika Entfernungen und Zeiten anders betrachten muss, haben wir für die Anreise nach Porto Novo von ca. 150km knapp 12 Stunden gebraucht (…und auf dem Notsitz ist dies eine lange Zeit…).
Es ist sehr eindrucksvoll wenn man das Leben am Straßenrand beobachtet.

Aber am schönsten sind die Kinder. Wenn Sie uns sehen lachen sie, winken uns oder rennen uns nach… Das entschädigt…!
Viele Grüße!
